24.10.2019

Kein Hamburg in Bamberg

Nach den G20-Ausschreitungen haben wir einen zweiten Anlass dazu, festzuhalten, dass wir keine Hamburger Zustände in Bamberg und an unserer Universität wollen.

Aufgrund der Tatsache, dass erneut ein Vortrag eines Hamburger Universitätsprofessors von linken Aktivisten gestört wurde, möchten wir als Liberale Hochschulgruppe diese Ereignisse kommentieren. Damit kein zweites mal ein Bamberger LHGler in die rechte Ecke gedrängt wird, sei festgehalten, dass wir uns mit allem Nachdruck mit der AfD distanzieren und die Partei auch schon zu Luckes Zeit inhaltlich als kritisch angesehen haben. Aber es geht nicht um die AfD, es geht ums Prinzip.

Die Gedanken sind nicht nur frei, man muss sie auch äußern dürfen.

Zum zweiten Mal wurde Bernd Lucke daran gehindert, eine Vorlesung in Markoökonomik zu halten. „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ riefen die Aktivisten. Das stimmt zwar, aber Luckes Äußerungen in der damaligen AfD als Nazipropaganda zu bezeichnen, ist eine Verleumdung der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Anstatt sich mit Lucke auf sachlicher Ebene auseinanderzusetzen und eventuell für alte Äußerungen zur Rede zu stellen – das wäre ja eine Maßnahme nach Begriffen wie „Umvolkung“ – glauben die Aktivisten, sie könnten Lucke durch Gebrüll und Hetze zum Schweigen bringen.

Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass die Sympathie für Bernd Lucke mit diesen Aktionen um ein Vielfaches angestiegen (!) ist. Ich nenne an solcher Stelle seit Monaten immer folgendes Beispiel: Wenn ein Dortmund-Fan einen Schalke-Fan anbrüllt oder verprügelt, bekommt der dann einen so guten Eindruck, dass er das Lager wechselt? Wird der dann Dortmund Fan? Natürlich nicht. Warum soll das in der Politik funktionieren? Es führt lediglich zu einer „Jetzt erst recht!“ Mentalität und bestätigt den Betroffenen in seiner Ideologie. Man fährt die Positionen fest oder radikalisiert sie sogar noch.

In Steingarts Morning-Briefing sagte ein Münchner Professor heute morgen sehr treffend, dass es auch links eine Tendenz zum Faschismus gibt. Bewegungen ernennen sich selbst als große Zensoren und behindern die Freiheit in Lehre und Forschung. Ich für meinen Teil habe noch nie eine Soziologie Veranstaltung gestürmt, nur weil es mir nicht passt, wie dort teilweise der Klassenkampf und der Antikapitalismus geschürt wird. Das muss man als Demokrat ertragen können und dem werden diese Aktivisten einfach nicht gerecht. Es hat mit Demokratie nichts zu tun, sondern gleicht diktatorischen Zuständen.

Wir wollen mehr Demokratie wagen.

Willy Brandt, SPD

Auch wenn nach außen immer so getan wird, als sei man für eine offene, tolerante und plurale Gesellschaft, so offenbart sich oftmals, dass dies nur so lange der Fall ist, bis den eigenen Werten widersprochen wird. Dann wird gespalten, gehetzt und ausgegrenzt, bis sich die Balken biegen. Da wird sogar der Liberale Christian Lindner, der sich selbstverständlich immer zu Meinungsfreiheit und Weltoffenheit bekannt hat, als Rassist verunglimpft. Ein sachlicher Dialog wird gar nicht erst ersucht.

Innerhalb der linken Gruppierungen und Bewegungen werden die eignen Positionen so lange bestätigt, bis man ein so falsches Weltbild inne hat, dass alles, was nicht der eignen Meinung entspricht, rechts ist. Im Folgeschritt wird man mit der AfD in Verbindung gebracht und dementsprechend sofort als Nazi. Sich mal zu hinterfragen, ob das ein offenes oder geschlossenes Weltbild ist, kam offenbar noch nicht so vielen in den Sinn.

Das Problem mit den Linken ist, dass nur sie glauben, Wahrheit zu besitzen.

Christian Lindner (an der Uni Bochum, nachdem sein Hörsaal gestürmt wurde)

Die Freiheit in Lehre und Forschung ist in Gefahr und wir werden uns entschieden dafür einsetzen, diese aufrecht zu erhalten. Wir müssen dazu anregen, uns an Universitäten mehr zur Freiheitlich Demokratischen Grundordnung zu bekennen und andere Meinungen einfach zu ertragen.

Wer mich nach Lesen dieses Kommentars mit der AfD in Verbindung gebracht hat oder meint, ich würde Lucke oder die Partei verteidigen, hat das Problem nicht nur nicht verstanden, sondern ist ein Teil dieses beschriebenen Problems.

Tim Gottsleben